Gutbesuchte Diskussion über die Vorderreihe

Veröffentlicht am 20.02.2018 in Pressemitteilungen

Gut 60 Travemünder Bürgerinnen und Bürger waren am Dienstagabend auf Einladung des SPD-Ortsvereins ins Gesellschaftshaus gekommen um mit unserem künftigen Bürgermeister Jan Lindenau und dem baupolitischen Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion Harald Quirder über die Verkehrsregelung in der Vorderreihe zu diskutieren. Mit dabei waren die Kandidaten der Travemünder SPD für die Bürgerschaftswahl, Sabine Haltern und Christoph Evers.

„Ganzjährige Fußgängerzone oder verkehrsberuhigter Bereich?“ war die Fragestellung, zu der die Politiker vor allem die Meinung der Betroffenen anhören wollten. Dabei wurde deutlich, dass nicht die gemeinsame Nutzung der Vorderreihe durch Fußgänger, Radfahrer und im Winterhalbjahr auch Autos im Anliegerverkehr als Problem gesehen wird, sondern die fehlende Rechtssicherheit: „Die Vorderreihe sieht aus wie eine Fußgängerzone, ist aber keine“, brachte es ein Besucher auf den Punkt. Ein Mangel, der auch auf die verfehlte Beschilderung (mit dem Zeichen 250 der Anlage zur StVO) zurückgeht, nach der den Fußgängern die Benutzung der Fahrbahneigentlich nicht erlaubt wäre. Gerade das ungestörte Flanieren und die Außengastronomie machen aber für Urlauber wie für Einheimische den Reiz der Straße am Traveufer aus. So habe es auch der Bauausschuss bei der Neugestaltung der Vorderreihe gewollt, wusste Harald Quirder. Auch er halte eine „verkehrsberuhigte Zone“ für eine sinnvolle Lösung. Die Bürgerschaft habe der Verwaltung einen entsprechenden Prüfauftrag erteilt.

In diese Richtung ging offenbar auch die mehrheitliche Meinung der Anwesenden: Die Vorderreihe sollte als verkehrsberuhigte Zone, auf Grund des blauen Tafel Nr. 325 auch gelegentlich als „Spielstraße“ bezeichnet, ausgewiesen werden. Eine zusätzliche Einschränkung des Kraftfahrzeugverkehrs im Sommer könnte durch versenkbare Poller durchgesetzt werden. Eine reine Fußgängerzone (Zeichen 242) wurde nur von wenigen gefordert. Sie wäre wohl auch nur als Ganzjahresregelung möglich.

Die Idee, einen gesonderten Fahrstreifen für Radfahrer abzutrennen, stieß auf Bedenken. Das würde eher Gefahren verursachen, wenn Fußgänger die Straße queren, während die Radler glaubten, freie Bahn zu haben. Die Durchmischung von Fußgänger- und Fahrradverkehr zwinge zum Langsamfahren. (Deshalb wurde auch schon auf der Strandpromenade kein Radfahrstreifen eingerichtet.) Überlegenswert ist sicher der Vorschlag, die Radfahrer an der besonderen Engstelle der doppelseitigen Bebauung zwischen Ostpreußenkai und Fährplatz über die kleine Nebenstraße an der Wasserkante umzuleiten. Das dortige Kopfsteinpflaster wäre allerdings nicht sehr fahrradfreundlich.

Gegenüber der Idee, Anwohner durch Sonderausweise zu bevorrechtigen, wies Jan Lindenau auf rechtliche Probleme hin, die sich anderswo in Lübeck bei ähnlichen Versuchen ergeben hätten. Auch den Vorschlag, statt amtlicher Verkehrsschilder mit freundlichen Texten zur gegenseitigen Rücksichtnahme aufzufordern, sah er aus haftungsrechtlichen Gründen kritisch.

 

Jan Lindenau fasste schließlich zusammen: Man müsse sich entscheiden, wie man den Verkehr organisieren will: kein unbegrenztes „Drive in“ für Touristen; Priorität für Fußgänger, aber keine Ausgrenzung des Rad- und Lieferverkehrs; unterschiedliche Regelung für Sommer und Winter. Und er gab zu bedenken: Mit Schildern könne man juristische Regelungen treffen, letztlich komme es aber auf die Bereitschaft zu einem vernünftigen Miteinander an.

 

 250 242.1  325

 

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